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Nr. 031 - Was machteigentlich... Lavelle?

 

 

 

Rückblick

 

Sternzeit 47.570,3

"An die gesamte Besatzung – hier spricht der Captain.

Ich habe die traurige Pflicht Ihnen mitzuteilen, dass ein Mitglied der Mannschaft, Fähnrich Sito Jaxa, in Ausübung ihrer dienstlichen Tätigkeit umgekommen ist.
Sie war ein vorbildlicher Offizier der Sternenflotte und eine junge Frau mit bemerkenswerter Courage und bewundernswerter Charakterstärke.

Ihr Tod wird alle, die sie kannten mit tiefem Schmerz erfüllen.

Picard – Ende."

 

 

 

Ein Tag später

 

"Sternzeit 47571,8 - USS Enterpise, persönliches Logbuch - Fähnrich, nein Lieutenant Sam Lavelle.

Wer hätte das gedacht? Ich wurde tatsächlich zum Lieutenant befördert. Nicht, dass ich es nicht verdient hätte. Nein, meine Leistungen waren immer überdurchschnittlich, ebenso mein Engagement. Aber mein Führungsoffizier, Commander Riker, gab mir immer das Gefühl...wie soll ich es formulieren...unzulänglich zu sein.

Ja, das trifft es ziemlich genau.

Gefühle solcher Art schließen naturgemäß jegliche Objektivität aus. Meine Freunde (und Mitbewerber um die Beförderung zum Lieutenant) meinten jedenfalls, dass ich es mir nur einbilden würde.

Nun ja, immerhin hat Riker mich für die Beförderung vorgeschlagen, obwohl ich bezweifele, dass er das auch getan hätte, wenn Fähnrich Sito Jaxa nicht bei einem Spezialauftrag umgekommen wäre. Sie war der Top-Favorit für die Beförderung.

Und jetzt ist sie tod.

Die andern, Fähnrich Ogawa und Fähnrich Taurik, sagten, ich hätte die Beförderung verdient und dass ich schließlich nichts für Jaxas Unglück könne und ich solle mir doch keine Vorwürfe machen und so weiter.

Aber ich war nunmal ein 'Nachrücker'.

Zweite Wahl.

Ob ich Counselor Troi darauf ansprechen sollte?

Ein absurder Gedanke, nicht wahr? Counselor Deanna Troi, die beste Freundin von Commander William T. Riker, meinem direkten Vorgesetzten.

Es hat schon günstigere Voraussetzungen für ein vertrauensvolles Gespräch gegeben.

Ich werde alleine damit fertig werden.

Wie man so schön sagt: 'Die Zeit heilt alle Wunden.'"

 

"Sternzeit 47.582,8 - USS Enterpise, persönliches Logbuch - Lieutenant Lavelle.

Vier Tage sind vergangen. Es wird nicht besser.

Es wird schlimmer.

Keine Minute vergeht, die ich nicht in irgendeiner Weise in der vier Tage zurückliegenden Vergangenheit verbringe. Natürlich werden meine Leistungen als Lieutenant dadurch nicht besser. Ich mache Fehler. Manchmal muss ich mehrfach angesprochen werden, damit ich überhaupt reagiere.

Ich habe beschlossen, meine Versetzung zu beantragen.

 

"Sternzeit 47.584,2 - USS Enterpise, persönliches Logbuch - Lieutenant Lavelle.

Wie es der Dienstweg vorschreibt, habe ich zunächst Commander Riker über meine Absicht informiert. Danach wollte ich den Antrag offiziell dem Captain vorlegen.

Aber Riker reagierte anders als erwartet.

Er sah überrascht aus. Überrascht und bestürzt.

'Warum?', fragte er.

Hatte er es wirklich nicht bemerkt?

War diese Reaktion Anteilnahme an meinem Schicksal?

Oder war er nur besorgt, dass ein Versetzungsantrag aus seinem Verantwortungsbereich ein schlechtes Licht auf seine Führungsqualitäten werfen könnte?

Ich weiß es nicht.

Ich erklärte ihm, ohne ins Detail zu gehen, dass es mir die Ergeignisse der letzten Zeit unmöglich machten, hier adäquat in Zukunft meinen Dienst zu versehen.

Ich bezweifele, dass er irgendetwas verstanden hat."

 

"Sternzeit 47.589,1 - USS Enterpise, persönliches Logbuch - Lieutenant Lavelle.

Sie glauben nicht, was Riker mir vorgeschlagen hat. Ich sollte mich mal mit Lieutenant Commander Worf unterhalten. Hatte man so etwas schon gehört?

Worf, der klingonische, ewig mürrische Sicherheitsoffizier.

Im ersten Moment dachte ich, ich käme in den Genuß von Riker´s zuweilen etwas derben Alaska-Humor.

Wenn ich eine Liste gemacht hätte mit allen Personen, die ich aufsuchen könnte, um mit ihnen meine persönlichen Probleme zu erörtern, so stände Worf wahrscheinlich nicht darauf.

Und wenn doch, dann erst nach Admiral Nechayev.

Aber er meinte es absolut ernst. Angeblich hatte Worf vor ein paar Jahren eine Erfahrung gemacht, die meiner Situation ähnelte.

Riker hat mir das Versprechen abgenommen, mich mit Worf zu treffen und meine endgültige Entscheidung erst danach und nach einem zweiten Gespräch mit ihm, Riker, zu treffen.

Ich werde es probieren, obwohl es mir immernoch rätselhaft erscheint, welche persönlichen Probleme ich mit Worf gemein haben könnte.

 

"Sternzeit 47.592,4 - USS Enterpise, persönliches Logbuch - Lieutenant Lavelle.

Da Worf Jaxas Führungsoffizier gewesen war und er schon in Zehn-Vorne uns, ihren Freunden, sein Beileid ausgedrückt hatte (auf seine Weise), beschloß ich, das Gespräch ohne Umweg zu eröffnen. Außerdem schätzen Klingonen es nicht besonders, wenn man um den heißen Brei herum redet.

Abgesehen von diesem recht allgemeinen Vorsatz hatte ich keine Ahnung wie ich anfangen sollte.

Ich ging zu seinem Quartier und dann stand ich vor der Tür.

Ich zögerte.

Leichte Panik stieg in mir auf. Ein peinliches Schweigen, weil mir die Worte fehlten, wäre genau das Richtige, um das Gespräch zu beenden, bevor es überhaupt angefangen hatte.

Aber was hatte ich schon zu verlieren?

Ich betätigte den Summer.

Worf öffnete, sah mich ernst an und sagte: 'Ich habe Sie erwartet, Lieutenant. Kommen Sie herein.'

Offensichtlich hatte Riker schon mit Worf geredet. Und Worf war ebenso offensichtlich bereit, mit mir zu reden. Er ging vor und deutete auf einen Sessel.

'Nehmen Sie Platz.'

Was kam als nächstes?

Bot er mir etwas zu trinken an?

Ich bedankte mich mit einem Nicken.

Worf setzte sich auf einen Zweisitzer auf der anderen Seite des kniehohen Tisches.

Er hatte aber offensichtlich nicht vor, noch mehr Zeit mit Höflichkeiten zu verschwenden und kam sofort zur Sache:

'Commander Riker erwähnte, dass Sie Ihre Zukunft nicht mehr an Bord der Enterprise sehen.', eröffnete er mir.

Tja, damit hatte er wohl recht. Und weil ich mit meiner Zeit auf diesem Schiff bereits abgeschlosen hatte, sah ich auch keinen Grund, warum ich es ihm nicht auch erzählen sollte.

Ich fing an bei meinen Problemem mit Riker, schnitt kurz den Stress während der Vor-Beförderungsphase an und kam schließlich auch zu meinen Schuldgefühlen bezüglich des Todes von Fähnrich Sito und meiner statt Ihrer Beförderung.

Worf ist ein guter Zuhörer.

Er behält ständigen Blickkontakt und scheint nie zu blinzeln.

Abgesehen von einem gelegentlichen Grunzen, z.B. als ich die Nachricht von Sitos Tod schilderte, unterbrach er mich nicht einmal.

Ich beendete meinen Monolog und stellte zu meiner Überraschung fest, dass Worf keineswegs den Eindruck machte, gelangweilt, genervt oder angeekelt von meinen menschlichen Schwächen zu sein.

Er sah mich einfach an.

Nach vielleicht zwei Minuten begann er zu sprechen und sein Gesicht zeigte eine Offenheit, die ich nie bei einem Klingonen erwartet hätte:

'Es war mein erstes Jahr an Bord der Enterprise und ich war Wissenschaftsoffizier....' und Worf erzählte mir die Geschichte von Lieutenant Yar, der Sicherheitscheffin. Von ihrer Arbeit, ihrem Leben und ihrem frühen, sinnlosen Tod.

Er erzählte, wie er ihren Posten übernahm, die damit einhergehende Beförderung akzeptierte, sogar, dass Captain Picard ihn in einer Krisensituation einmal mit 'Lieutenant Yar' angesprochen hatte.

Er saß auf dem Stuhl eines Anderen. Eines Anderen, der aufgrund seiner Kompetenz geschätzt wurde und viele Freunde gehabt hatte.

Worf fuhr fort: 'Die einzige Möglichkeit für mich, die Situation zu meistern, fand ich in dem festen Glauben, dass ich Tasha Yar´s Andenken am besten bewahren konnte, indem ich mich ihrer Arbeit würdig erweise.'

Worf hielt kurz inne und fuhr dann mit allem Verständnis, das er aufbringen konnte, fort: 'Ich weiß natürlich, dass Menschen dem Andenken an Verstorbene und der Ehre, eine Aufgabe zu erfüllen nicht den gleichen Wert beimessen wie Klingonen. Aber eine menschliche Eigenschaft ist die Fähigkeit sich anzupassen und zu lernen.'

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaubte kurz ein Lächeln über sein Worf´s Gesicht huschen zu sehen.

Er machte eine längere Pause. Dann stand er auf und sagte mit ernster Stimme: 'Was dagegen Ihre Probleme mit Commander Riker angeht, so kann ich Ihnen nicht helfen. Niemand kann das und das ist auch gut so. Es ist nicht einfach sich den Respekt des Commanders zu verdienen - aber auch nicht unmöglich.

Vergessen Sie nicht: Je größer die Herausforderung, umso größer der Preis.'

Nachdem ich mich von Worf verabschiedet hatte, ging ich in den Gemeinschaftsraum auf Deck 10. Ich stand immer noch unter dem Eindruck des Gesprächs, das ich mit dem Sicherheitsoffizier geführt hatte.

Ben stand hinter der Bar, wie immer, wenn Guinan nicht da war. Ich nickte ihm kurz zu und setzte mich an einen unbesetzten Tisch am Fenster. Die Sterne verschwanden links und rechts meines Blickwinkels in Form weißer Streifen.

Warpgeschwindigkeit.

Ich befand mich auf dem besten Schiff des Quadranten.

Einer fliegenden Legende.

Ich wurde kürzlich befördert und einigen der wichtigsten Leute an Bord dieses Schiffes lag offenbar etwas an mir.

Wo war mein Problem?

 

"Sternzeit 47.597,5 - USS Enterpise, persönliches Logbuch - Lieutenant Lavelle.

Mittlerweile habe ich ein weiteres Gespräch mit Commander Riker gehabt. Ich teilte ihm mit, dass ich gerne an Bord bleiben würde.

Ich fühle mich besser und freue mich auf eine hoffentlich noch lange Zeit auf der Enterprise."

 

Gegenwart

"Sternzeit 48.723,6 - USS Sutherland, persönliches Logbuch - Lieutenant Lavelle.

Nun, nach einem Jahr, habe ich die Enterprise doch verlassen.

Eigentlich hat die Enterprise mich verlassen.

Bei Sternzeit 48651, also vor ungefähr 3 Wochen, stürzte das Untertassensegment auf Veridian III ab, nachdem die Antriebssektion in Folge eines Warpkernbruchs im All explodierte.

Ein Großteil der Besatzung wurde danach auf andere Schiffe versetzt während ich selbst vorübergehend auf die Sutherland abkommandiert wurde.

Die Sutherland ist ein gutes Schiff, Nebula Klasse.

Die Mannschaftsstärke ist mit 780 etwas geringer als auf der Enterprise und der kommandierende Offizier ist Captain Hobson.

Er ist ein fähiger Captain und er gibt uns allen das Gefühl gebraucht zu werden und wichtig zu sein.

Zwar habe ich mich auch auf der Enterprise wohl gefühlt.

Dort habe ich Freunde gefunden und mich nach Kräften bemüht, ein guter Offizier zu sein und ich glaube, dass mir das gelungen ist.

Ich wurde respektiert, aber hier...

...naja, hier sitze ich auf meinem eigenen Stuhl.

 Ende

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